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Sütterlin - Die Schreibschrift aus dem Schwarzwald

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Vielen ist sie noch bekannt - die alte Sütterlin Schreibschrift. Aufrechte Buchstaben, verziert mit Windungen und Haken. Wer der älteren Generation angehört, kann manchmal gar nicht anders schreiben. Spätestens dann, wenn alte Familienurkunden hervorgeholt werden oder Kirchenbücher gelesen werden müssen, ist die Vertrautheit mit dieser Schrift durchaus erforderlich. Von den vielen Schriften, die auf deutschem Boden geschaffen wurden, ist wohl kaum eine im Volke namentlich so bekannt geworden wie diese. An die zwanzig Schülergenerationen haben ihr Schreiben auf sütterlinsche Art und Weise gelernt.

Benannt ist die Schrift nach einem ehemaligen Bürger der Schwarzwälder Stadt Lahr , auf den die Stadt auch heute noch stolz ist. Die Rede ist vom Pädagogen und Grafiker Ludwig Sütterlin. Nach den Empfehlungen des Schwarzwälders wurde die Sütterlin Schreibschrift 1924 vorerst in Preußen und nachkommend auch in anderen deutschen Ländern als verbindliche Schreibschrift gebräuchlich. Sütterlin erhielt 1911 vom kgl. preußischen Kultusministerium den Auftrag, Schreiblehrgänge an Berliner Schulen zu geben. Im Rahmen dieser Lehrgänge, die die Form von Arbeitsgemeinschaften hatten, entstand im Wesentlichen die heute bekannte Sütterlin-Schreibweise. Sie wurde 1914 dem preußischen Kultusminister und einem sachverständigem Ausschuss vorgelegt und von diesen als schultauglich erwogen.

Die damalige Gutheißung der neuen Schrift ist heute möglichenfalls nicht mehr nachvollziehbar. Als steil und umständlich wird sie oftmals bezeichnet. Hingegen muß man wissen, daß seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die spitze Stahlfeder die zuvor verwendeten Kielfedern verdrängte. Der charakteristische Schwellzug der Kurrentschriften, die der Sütterlinschrift vorhergingen, erforderte eine unnatürliche Handhaltung und wechselnden Schreibdruck. Die Kurrentschrift war nur schwerlich zu erlernen und daher vor allem für Grundschüler ein schwieriges Hindernis bei der schriftlichen Umsetzung ihrer Muttersprache. Sütterlin entwarf deshalb eine kindgerechte Methode für Schreibanfänger: Als Schreibwerkzeug dient ein Gleichzug, der ohne schwerfälligen Druckwechsel eine einheitliche Strichstärke erzeugt. Alle Buchstaben stehen senkrecht und sind nahezu geometrisch aus Geraden und Kreisformen zusammengefügt. Die Lineatur ist im regelmäßigen Verhältnis 1:1:1 gehalten, so wie die Schreibschrift im Grunde auch heute noch gelehrt wird.



 



Allerdings ging die Zeit der Sütterlin-Schrift, und somit auch endgültig die der Kurrentschrift, als gebräuchliche Handschrift, bald wieder ihrem Ende entgegen. Bereits in den vierziger Jahren zeichnete sich dies ab. Vor allem die ansteigende Mechanisierung des Schreibprozesses, durch die besonders im behördlichen Bereich die Handschrift fast rundweg durch die Druckschrift verdrängt wurde, wie auch ein Erlaß von 1941, mit dem die Verwendung deutscher Handschrift behördlich abgeändert wurde, ließ die Schrift Ludwig Sütterlins alsbald wieder verschwinden. Man führte daraufhin größtenteils die „lateinische Schreibschrift“ ein, die mit geringen Abweichungen heute noch unterrichtet wird.

Sütterlins hervorragende und seinerzeit spärlich erkannte Leistung war es, daß er, in einer Zeit des gewaltigen Wandels in Kunst und Kultur, eine neue deutsche Schreibschrift unter Bezugnahme neuester didaktischer Einsichten, aber auf dem Fundament der geschichtlichen deutschen Schriftentwicklung geschaffen hat.

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weiterführend:

Sütterlin, die deutsche Schrift lesen und lernen üben:
http://www.peter-doerling.de/Lese/Sutterlin.htm

Vogel: Verbessere Deine Handschrift! : praktischer Schreiblehrgang nach Sütterlin, Dresden 1939.



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