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Alemannische Gedichte von Alois Burger

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Alois Burger (1908 - 1959), in Hagenau im Elsass geboren und aufgewachsen in Wutach-Ewattingen, wollte mit seinen Gedichten in alemannischer Mundart seine Heimatliebe zum Ausdruck bringen.


De Herbscht


Uf de Wiese Spinnefäde,
glizig wieß - und dert am Roo
Silberdischtle? - I de Stude
Beeri, blau? -No ischt er doo!

D`Egerschte und d`Quaake händelet
a de Fure noo.
D`Store sammlet sich und d`Schwälmli.-
Welleweg! - No ischt er koo!

S`ischt Herbscht! - Er biet Fierobed.
Mahnet iis: Es Johr goht uus.
Nimmt e Astre, Rose, Dahlie.
Bind` sie zemmet zume Struuß.

Goht mit Kriz und schwarzer Fahne
Gräber b`sueche. - Trait en Kranz.
Nebe dra, im "Hirsche" schenkt er
"Neue" uus bim Chilbitanz.


Weihnachtsmahnung

Jetzt schick die Herz de Stroße noo,
ob nit im Schnee ein schreit,
wo statt de Freud e Burde Weh
in d`heilig Nacht uss trait.

Jetzt schick di Herz de Hüser noo,
ob nit im Bett ein wacht.
En kranke Maa, e alti Frau.
Gang, mach`ne hell die Nacht.

Jetzt schick di herz de Hütte zue,
wo d`Armut huust und friert.
Mucksmieslistill sitzt sie, weiß nit,
daß mr hit d`Wienächt fiert.

Und no erscht zünd din Chrischtbaum aa
wenn andre Liecht häscht g`macht.
Mei, no klingt suber s`"Gloria"
und fröhlich s`"Stille Nacht".


Vorfrühling
De Nebel rießt und frißt de Schnee.
De Känner tropft partu.
Es liet uf allne Weg und Steg
en ganz en eigne Guu,
De Chriesibaum stoht wie´n Geischt
so schwarz - wie uff em Sprung.
Und sait lies: Dusme, Blütekind!
Nu no en kleine Rung!
En Vogel pfieft: Zitt-Zitt-Zitt-Zitt.
Er weiß es: D´Zit ischt do.
Es goht degege überall.
Bald isch es Frühjohr do.
Scho strecket d´Wiede Töpli us,
denn sie sind z´erscht am Kehr.
D´Haselwürschtli schwaderet
am Zwiegli hin und her.
Und wer es macht, mr weiß es jo:
De Herrgott. - Schick di drii.
Erscht ´s Blange macht de Maie schö.
Es git ihm erscht de Schie.


Stilli, laui Sternenacht

Stilli, laui Sternenacht
überm Stadtli, überm alte,
wenn sie´s Stroßeliecht abschalte,
wenn de Nochber d´Tür vermacht.

Jetet g´hörsch de Brunne, los,
was er weiß, es gschwätzig Maali.
D´Wieber macht er uus, was alli
hit verzellt händ uf de Stroß.

Unterm Fliederbaum im Garte
hocket zwei und sin wie liesli.
Herrschaft, wär i nu e Miesli.
Dene luegt i gern i d´Karte.

"Gang ins Bett! - Loß die beid´goh!"
Rieft mi Wieb z´mol us de Kammer.
"Verlupft de Schmied nimme de Hammer,
soll er´s schmiede bliebe loh!"

Stilli, laui Sternenacht
überm Stadtli, überm alte.
S´Fenschter zue! - De Wunsch verbhalte! -
Niemet weiß es. - D´Frau, sie schnarcht.


Silberdischtel

Oh, Silberdischtel, wart no weng, fang nit a z´blüieh.
No isch es Summer und es Korn nit wieß.
No schient d´Sunn warm und d´Summervögel gutschet,
no findet d´Immli Fuetter a de Wiesestrieß.

No singet d´Vögel i de dunkle Studehäger.
Mund d´Mückli tanzet luschtig uf und ab am Bach.
De Hähliwieh schwebt unter wollne, wieße Summerwölkli-
und jungi Schwälmli dismet unterm breite Dach.

S´kunnt scho vo selber: S´Adjeh ne, es Goh, es Sterbe,
die leere Felder - ´s Herzweh fangt vo selber aa.
En böse Riefe in de Nacht schlaht´s Johr in Scherbe.
No Silberdischtel blüieh, no blüieh! - No bischt du dra!


´S Johr ii - ´s Johr uus

S´Johr ii - ´s Johr uus,
durch Ösch und Huus
im Reihum goht de Tag.
Bringt Soot und Ern,
Rege und Sunn
und Tanz und Dengelschlag.
Und bischt am Kehr,
no kunnscht au dra.
Und häscht de Kehr,
grief zue! -
Eim wünscht mr Glück am Hochsettag,
im andre d´ewig Rueh.
Im Ring um gohts,
s´Johr ii - ´s Johr uus.
Es Lebe stoht nit still.
Ob allem stoht
de sell, wo´n es so will:
Er drait am Rad
s´Johr ii - ´s Johr uus
und goht durch Ösch und Huus.
Und eim zündt er si Liechtli aa,
im andre löscht er´s uus.



 

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