Ein mannigfaltiger Nutzen durchzieht die Geschichte des Glases bis heute. Kein anderes Material regte den Erfindungsgeist und die gestalterische Phantasie der Menschen so sehr an wie jener Stoff, der Licht in das Dunkel bringt. Glas bedeutet Licht und Licht bedeutet Leben. Man ist sich nicht im Klaren darüber, wann und wo Glas das erste Mal durch Menschenhand gefertigt wurde. Älteste Fundstätten liegen in Arabien und im östlichen Mesopotamien. Sieht man von den Glashütten in Germanien ab, die zeitgleich mit dem Einmarsch der Römer entstanden, sich über eine bestimmte Zeit hielten und dann wieder verschwanden, beginnt die Geschichte der Glasproduktion in Deutschland im Mittelalter. Deutsche Glasmacher ließen sich in den verkehrsfernen Waldgebieten der Mittelgebirge nieder. Im Spessart, Thüringer Wald, Bayerischen Wald, Fichtelgebirge, Böhmerwald, Erzgebirge, Riesen- und Isergebirge und im Schwarzwald wurde seit dem Hochmittelalter in wachsendem Umfang Glas gefertigt. So war die Glasbläserei etliche Jahrhunderte einer der bedeutendsten Handwerkszweige im Schwarzwald, die hier ihren Einzug in den Anfängen des letzten Jahrtausends erhielt. Der Schwarzwald als Naturraum gab diesem Handwerk alles dafür Notwendige. Holz der Hainbuchen, aus dem Pottasche gewonnen werden konnte, der Quarzsand in den Bächen, der mit der Pottasche verschmolzen wurde und der hohe Bestand an Tannen und Fichten, die das Schmelzfeuer am brennen hielten, machten die Glasbläserei möglich. Urkundlich erwähnt wurden Schwarzwälder Glasverhüttungen bereits Anfang des 12. Jahrhunderts. Die Hütten der Glasbläser der damaligen Zeit können gut und gerne als Wanderhütten bezeichnet werden. So zogen die Glasbläser weiter in ein neues Gebiet, wenn der Waldbestand am Standort abgeholzt war. Die Bezeichnung „Altglashütten“ und „Neuglashütten“ in Urkunden weisen ausdrücklich auf den Standortwechsel hin. Ein anschauliches Beispiel des ständigen Ortswechsels ist die Glashütte des Klosters St. Blasien. Im Jahr 1579 errichtete das Benediktinerkloster am Schluchsee die erste Glashütte. Nach fünfmaligem Standortwechsel siedelte sich die Glasmacherei im Jahre 1716 in „Äule“ an, wo sie bis 1878 bestand und damit die am längsten in der alten Tradition bestehende Glasbläserei im Schwarzwald darstellt. Im 19. Jahrhundert gerieten die Schwarzwaldglashütten in eine wirtschaftliche Krise. Ein deutlicher Rückgang des traditionellen Handwerks in seiner ursprünglichen Form war durch die immer mehr schwindenden Waldflächen verursacht. Letzten Endes starb ein Großteil der Glasbläserei im Schwarzwald aufgrund des Mangels an Brennholz. Die Schrumpfung des Glasbläsereiwesens wurde zudem durch das Aufkommen der Eisenbahn verstärkt. Viele Glashütten lagen den Verkehrsadern zu entfernt. Viele Familien, die einst ihr Einkommen mit der Glasbläserei bestritten, gerieten in Armut und Not. Der Wald dagegen bekam Gelegenheit zum Durchatmen.
Die Glasbläserei im Schwarzwald ist nicht nur ein traditionelles Handwerk der Gegend, sondern auch ein Handwerk, das mit allerlei Mythen und Sagen behaftet ist. Wiederholt ist von einem Glasberg die Rede. Der Glasberg trage ein Geheimnis, sei Zugang zur Geisterwelt oder halte jemanden gefangen, den es zu befreien gilt. Auch vom Glaswaldsee wird sagenhaftes erzählt. Den Glaswaldsee, der seinen Namen aufgrund einer ehemals in seiner Nähe befindlichen Glashütte bekommen hat, sollen Seemännlein bewohnt haben.
weiterführend: Glaskunst Altglashütten: http://www.schwarzwaldglas.de
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