Um unergründlichen Glaswaldsee hielten sich dermalen Seemännlein auf, die so groß wie Kinder und oben wie Menschen, unten wie Fische gestaltet waren. Auch konnten sie sich unsichtbar machen. Eines jener Seemännlein war mit den Leuten des Seebenhofes, der drei Viertelstunden weiter unten am berge liegt, so befreundet, daß es jeden Morgen sie weckte und bis zum Abend bei ihnen blieb und dann in den See zurückkehrte. Den ganzen Tag schaffte er für sie, besonders lag es der Wartung ihres Viehs ob, das dabei schöner als je gedieh. Übrigens mussten sie, wenn sie dem Männlein eine Arbeit auftrugen, jedesmal sagen: „Nicht zu wenig und nicht zu viel!“. Sagten sie das nicht tat das Männlein entweder viel zu viel oder viel zu wenig. Täglich bekam es auf dem Hof sein Frühstück, Mittag- und Nachtessen, das ihm unter die Treppe gestellt werden mußte, wo es, alleinsitzend, dasselbe verzehrte. Obschon sein Anzug wie sein Schlapphut stark abgetragen und seine Jacke obendrein zerrissen war, hielt es doch den Bauern stets ab, ihm andere Kleidungsstücke anzuschaffen. Endlich ließ der Bauer im Winter ein neues Röcklein machen und gab es dem Männlein. Da sagte dieses: „Wenn man ausbezahlt wird muß man gehen; ich komme von morgen an nicht mehr zu euch.“ So sehr der Bauer auch versicherte, daß der Rock kein Lohn sei, sondern nur ein Geschenk sei, konnte er doch das Männlein von seinem Vorsatze nicht abbringen. Hierüber böse, gab die Magd dem Männlein kein Nachtessen, und es ging mit leerem Magen von dannen. Am anderen Morgen fand man vor dem Hause die Magd tot und auf den Kopf gestellt, welcher ganz in den Boden eingegraben war. Das Seemännlein hat niemals mehr auf dem Hofe sich blicken lassen.
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