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 | weitere Sagen & Erzählungen |
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Die Erdweible bei Loffenau
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Nahe der Teufelsmühle bei Loffenau befindet sich das „große Loch", in dem ein ganzes Haus stehen könnte. In dieser Höhle sind drei Säulen, die zwei Kammern bilden. In diesen Kammern haben früher zwei Erdweible gewohnt, die waren klein, ganz weiß und sehr schön. Diese Erdweible kamen einmal nach Loffenau in die Lichtstube zum Spinnen, aber niemand wagte, sie anzureden. Als sie zum zweiten Mal da waren, standen sie auf und sagten: „Hättet ihr uns was gesagt, so hätten wir euch auch was gesagt." Damit gingen sie fort und kamen nie wieder. Beim Fortgehen aber hatten sie ein paar Strohhalme fallenlassen. Als die Leute die aufhoben, merkten sie, daß die Strohhalme aus schwerem Gold waren. Wenn jemand in der Spinnstube die Erdweible angesprochen hätte, dann wären sie erlöst gewesen, und sie hätten ihren Erlöser reich und glücklich gemacht. Einmal ging ein Mann an dem großen Loch vorüber. Da kam ein Erdweible heraus und sagte zu ihm: „Du hast ja nichts an deinem Hut; wart, ich will dir einen Strohhalm darumbinden." Der Mann meinte zwar: „Ach, was soll ich damit?" aber das Erdweible sagte: „Laß mich nur machen" und band ihm den Strohhalm um den Hut. Als der Mann heimkam, hatte er einen Goldreif rings um seinen Hut.
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Die erste Gründung des Klosters Hirsau
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Um das Jahr 650 lebte in Calw eine reiche Gräfin mit Namen Helizena im Witwenstande und kinderlos. Täglich betete sie zu Gott, er möchte ihr offenbaren, wie sie ihre Güter zu seinem Wohlgefallen anwenden könne. Da träumte ihr einst, eine Stimme komme zu ihr und spreche: „Helizena, dein Gebet ist erhört. Du wirst zum Zeichen dessen ein ebenes Feld mitten im Walde finden, da wachsen drei Tannenbäume aus einem Stamm. Dort sollst du zu Gottes Ehre eine Kirche bauen." Als sie aufwachte, ging sie sogleich in den Wald, um den Platz zu suchen. Und siehe, von einem hohen Berg aus erblickte sie plötzlich unten im Tal den Platz, den sie im Traum gesehen, und darauf die drei Tannen, die aus einem Stamm wuchsen. Weinend vor Freude ging sie hinunter und hing ihr kostbares Gewand als erste Gabe an einer der drei Tannen auf. Dann versammelte sie ihre Verwandten, die Grafen von Calw, und bat sie, ihr den Platz zum Bau der Kirche zu überlassen. Das taten sie gern. Und als der Bau der Kirche fertig war, hörte sie wieder eine Stimme, die mahnte sie, auch noch Leute zu sammeln, die ihr Leben der Ehre Gottes weihen wollen, und ihnen bei der Kirche ein Haus zu bauen. Das tat sie und stattete die Brüder, die sich in der Hirschau an der Nagold bei der Kirche des heiligen Aurelius gesammelt hatten, mit reichlichem Unterhalt aus.
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Die Rotmäntel
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Als im Murgtal bei Baiersbronn, Mitteltal und Obertal nur erst zerstreute Höfe lagen, kamen oft über den Ruhestein in das Tal der roten Murg wilde große Männer, die waren noch Heiden, gingen barfuß und hatten rote Mäntel an, weswegen man sie allgemein „Rotmäntel" nannte. Sie trugen ein Messer an der Seite, womit sie jeden, der ihnen begegnete, hackten, auch wenn er ihnen nichts getan hatte. Auch konnten sie mit ihren Messern sehr weit auf die Leute werfen und sie verwunden. Weil die Messer an einer langen dünnen Kette befestigt waren, konnten die Rotmäntel sie immer wieder zurückholen und waren auf die Art niemals ohne Waffen. Ein Teil der Rotmäntel hatte auch schon Gewehre und konnte schießen. Viele Jahre hindurch beunruhigten sie das Murgtal, stahlen und mordeten, was ihnen vorkam, ohne daß man sich ihrer hätte erwehren können. Sie redeten auch eine fremde Sprache; nur ein Wirt in Baiersbronn, der Lateinisch verstand, konnte mit ihnen reden und mußte oft den Unterhändler machen. Sobald man die Rotmäntel auf der Höhe erblickte, gab man mit Glocken ein Zeichen, bot das ganze Tal auf und zog ihnen entgegen, um sie zurückzutreiben. Die Rotmäntel wählten gern den Sonntag zu ihren Überfällen und kamen meist in kleinen Haufen, oft nur zehn bis zwanzig Mann stark. Einmal aber erschienen sie in großer Zahl, es waren ihrer mindestens drei- bis vierhundert. Das ganze Murgtal wurde schleunigst aufgeboten. Man zog ihnen entgegen, umzingelte sie und begann zu schießen. Es fiel aber auf beiden Seiten niemand, denn man hatte sich verwahrt und kugelfest gemacht, so daß man die Kugeln wie Brotkrumen aus dem Ärmel und den Kleidern schütteln konnte. Die Murgtaler holten endlich ein kleines buckliges Bauern-männle von einem Hof, das sich auf Zauberei verstand. Der Bauer sagte, man solle zuerst einmal ihn allein schießen lassen, und danach sollten auch alle anderen schießen. Das Männlein schoß und streckte den ersten Rotmantel nieder. Darauf schössen auch die anderen, und ihre Kugeln trafen gleichfalls, so daß schließlich alle Rotmäntel totgeschossen wurden bis auf ihren Hauptmann „Schlotki". Den nahm man gefangen, man konnte ihn aber auf keine Weise umbringen, weil er allein noch stich- und kugelfest war. Da warf man ihn endlich in die Murg, deckte viel Holz auf ihn und wälzte Steine und Felsen auf das Holz. Das setzte man mehrere Tage lang fort, weil der Schlotki immer wieder den Versuch machte, sich loszuwinden. Der Hauptmann der Rotmäntel, der Schlotki, bot den Leuten ungeheure Summen, wenn sie ihn am Leben ließen. Doch die Leute ließen sich nicht darauf ein. Endlich sagte er, obwohl sie ihn lebendig in die Murg „beschwert" hätten, so daß er nicht fort könne, werde er dennoch nicht sterben, möge aber auf diese elende Weise auch nicht länger leben. Deshalb gab er ihnen selbst an, wie sie ihn töten könnten. Sie sollten nur die drei Hostien, die in seiner linken Hand am Daumen, und zwar in der Maus, eingelegt und verwachsen wären, herausschneiden; alsdann werde er sterben können. Das taten sie denn auch, worauf er sich verblutete und starb. Die Murg aber floß drei Tage lang blutrot, und sie hat seitdem immer eine rötliche Farbe und heißt darum die rote Murg.
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Geisterhochzeit mit dem Burgfräulein von Neu-Wind.
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Als die Burg Neu-Windeck bereits eine Ruine war, verirrte sich ein junger Ritter in die verfallenen Mauern. Er erblickte in einem der Gemächer Licht und stieg die Wendeltreppe hinauf. In einem alten Rittersaal angekommen, sah er ein wunderschönes Mädchen, bleich wie Schnee, in Gedanken versunken am Tische sitzend. Der Ritter grüßte sie und bat um Nachtquartier. Darauf wurde ihm zunächst ein Gastmahl aufgetafelt. Der Ritter fand an dem Mädchen so sehr Gefallen, dass er sie um ihre Hand bat. Daraufhin ging sie zu einem alten Schrank, öffnete ihn und entnahm einem Geheimfach zwei Ringe und ein Rosmarinkränzchen. Das Kränzchen heftete sie in ihr Haar und forderte den Ritter auf, ihr zu folgen. Mit leichtem Schaudern folgte er ihr, begleitet von zwei plötzlich erschienenen altväterlichen Greisen, in die Burgkapelle. Dort erblickte er mehrere Grabmäler. Auf einem von ihnen lag ein erzener Bischof eingehüllt in ein Priestergewand. Die Braut berührte das Haupt des Bischofs und langsam erhob sich die eherne Gestalt und trat vor den Altar, auf dem sich die Kerzen von selbst entzündeten. Als der Ritter gefragt wurde, ob er das Fräulein wirklich heiraten wolle, begann er zu zittern wie Espenlaub und seine Sinne verwirrten sich. Da hörte er auf einmal das Krähen eines Hahnes von einem benachbarten Hofe. Mit einem bänglichen Aufschrei entschwanden die Braut, der Bischof und die Greise, ein mächtiger Luftzug ließ die Kapelle und Burg erzittern, sodass der Ritter ohnmächtig auf eine Grabplatte nieder glitt. Als er wieder erwachte lag er im Schlosshof und verließ im gleichen Augenblick den seltsamen Ort.
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Mutes Heer in Baiersbronn
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In dem Dorfe Baiersbronn, im Murgtale, liegt ein sehr alter Hof, der heißt von einem früheren Besitzer, namens Martin, noch immer der „Martisbauerhof". Dieser Hof soll zu dem ehemaligen Kloster gehört haben. Im untern Stock des Hauses befindet sich ein Gewölbe, durch welches um Weihnachten regelmäßig das Mutesheer mit Hundegebell und gewaltigem Getöse zu ziehen pflegte. Sobald der Hausknecht es kommen hörte, mußte er nur schnell die Tür und Klappe des Gewölbes öffnen, dann fuhr es sausend hindurch. Einmal aber verspätete sich der Knecht, worauf ihm fast der halbe Finger abgeschnitten wurde. Eine Stimme jedoch aus dem Mutesheer rief: er solle nur einen roten Faden um den Finger binden. Und sowie er das getan, hörte das Bluten auf und der Finger war wieder geheilt. In demselben Hause hängen auf dem Boden noch drei alte Ochsenköpfe mit den Hörnern, wie einige glauben, zum Schütze gegen das Mutesheer. Der jetzige Hausherr aber sagte, diese Köpfe seien in uralter Zeit wegen einer Viehseuche drei lebendigen Ochsen abge-schnitten und an Stricken hier aufgehängt worden. Der eine Kopf hängt am Giebel, die beiden ändern etwas entfernt davon ebenfalls im Giebeldach, und zwar nebeneinander. Sie hängen schon so lange, daß die Stricke bereits vermodert waren und vor einigen Jahren durch neue ersetzt werden mußten. Noch jetzt hängt man in einzelnen Dörfern des Schwarzwaldes Kalbsköpfe im Hause auf, wenn eine Viehseuche ausbricht.
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Sagen aus dem Schwarzwald
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