Hermann Burte (1879 - 1960), im südbadischen Dorf Maulburg als Hermann Strübe geboren, hatte zuerst nur Maler werden wollen (siehe Galerie unter den Gedichten). Später jedoch, seiner Doppelbegabung bewußt geworden, fühlte er sich vor allem zum Dichter berufen, ohne deswegen Zeichenstift und Pinsel aus der Hand zu legen.
Der Schwarzwälder Hermann Burte versuchte somit als Maler, Bühnenkünstler sowie auch als Dichter das Gleiche: Darstellung der Landschaft , der Menschen und seiner Heimat, worin er seinen festen Grund hatte. Seine Schwarzwald Gedichte sind in erster Linie durch die Landschaft des Markgräflerlandes inspiriert. Hermann Burte hat seine alemannischen Gedichte an die Spitze seines lyrischen Gesamtwerkes gestellt, ohne deswegen seine hochdeutschen Gedichte gering zu schätzen. Er gilt als wirkungsstärkster Poet der alemannischen Sprache nach dem Schwarzwalddichter Johann Peter Hebel.
„Dem Dichter ist die Fähigkeit, Bild und Klang im Wort, das Wort im Vers und den Vers in der Strophe zur Sprache zu bringen - Aufgabe und Ziel aller poetischen Arbeit wie Lust und Last des Dichters - aus seiner Mutter- und Vatersprache zugewachsen“, meinte Erich Will von der Hermann Burte Gesellschaft einst.







Hermann Burte: Das Werk

Als einst der Herr die Welt erschuf Aus göttlicher Gewalt, Erhielt auf seinen Werderuf Der wüste Stoff Gestalt.

Und wenn der Mensch am Werk schafft, Gezogen aus dem Traum, So stellt sein Geist durch Gottes Kraft Gestalten in den Raum.

Geformter Stoff, gefügtes Wort,
Beschwingte Luft im Ton -
So wirkt das Werk des Schöpfers fort;
Die Welt ist voll davon.



Hermann Burte: Zumal

Schauen, Lauschen, Fühlen, Denken Quillt mir auf in einem Zug. Schwall der Fülle durch den Geist zu lenken, Sie zu fassen und im Worte schränken, Wurde mir und werde dir genug!



Hermann Burte: Das Wort

Es gibt auf dieser Erde Sätze, Aus denen Gottes Stimme spricht Den Sinn der ewigen Gesetze:Wenn ihr nicht glaubt, so bleibt ihr nicht!

Das fährt daher aus fernsten Welten, Vom reinsten Stern das feinste Licht, Und wird in alle Zeiten gelten:Wenn ihr nicht glaubt, so bleibt ihr nicht!

Die glaubenslosen Völker sterben! Ihr Herz, vom Zweifel mürbe, bricht. Die Wahrheit wissen ihre Erben:
Sie glaubten nicht und blieben nicht!

Und wenn ihr fragt im Herrenstolze:
Wem soll man glauben ohne Sicht? -Dem Gott, der starb am queren Holze! -Wenn ihr nicht glaubt, so bleibt ihr nicht!



Hermann Burte: Gottes Natur

Ob Gott von außen her die Dinge lenkt, Ob er, in alle Dinge eingezirkt, Sich in die Welt, die er erschuf, versenkt, Ob er als Quelle oder Welle wirkt:

Er ist! - Wohl dem, der seiner fromm gedenkt



Hermann Burte: Was ist Wahrheit?...

Was ist Wahrheit? -Unklare Frage! Die Wahrheit wessen? -So muß es heißen! Freiheit wovon? -Zu ungefähr! Freiheit wozu? -Das ist die Frage!



Hermann Burte: Das Leben erraffen...

Das Leben erraffen Mit Wunsch und Begier, Vergebliche Pein:
Du mußt es erschaffen Einzig in dir, Dann wird es dein!



Hermann Burte: Lebensstufen

Dem Kind erschien in seinen Werdetagen Das Bild der Welt bis in die Tiefen klar, Nur hatte es die Worte nicht, zu sagen, Wie herrlich seinem Staunen Alles war.

Der Mann besaß das Wort in seiner Fülle, Nur fehlte ihm die Unschuld in der Sicht:
Es warfen auf sein Bild der Welt die Mülle Und Schutte seines Lebens eine Schicht.

Dem Greise gingen Sicht und Wort verloren,
Doch wurde ihm vor seinem Tode klar,Was Licht den Augen blieb und Laut den Ohren:Daß er als Kind im Reiche Gottes war!



Hermann Burte: Tausch

Wir suchen, was uns fehlt, Und geben, was wir haben:
Der reine Tausch beseelt Die Geber und die Gaben!




Hermann Burte: Wieder ging ein Tag zu Ende...

Wieder ging ein Tag zu Ende Ohne Leid und Mißgeschick, Und zum Herrn des Lebens wende Dankbar ich Gefühl und Blick.

Alles konnte ja mißlingen Wieder, wie es oft mißlang. Immer in den kalten Dingen Wandelt der gezwungene Zwang.

Und ich werde fühlend inne:
Glück und Kunst sind kein Verdienst. Nichts vermochten meine Sinne, Daß du mir gewogen schienst.

Eines will ich mir versprechen Und es halten, klar und rein:
Sollt' ich je die Treue brechen, Will ich selbst gebrochen sein!

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die obenstehenden Gedichte sind folgendem Buch entnommen:
Ausfahrt und Heimkehr : Gedichte aus dem Nachlass / Hermann Burte. , [Hrsg. von der Hermann-Burte-Gesellschaft e.V., Lörrach]. - Weil am Rhein : Resin-Verlag, 1990.


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Hermann Burte: Früher Spätling

Im Garden euse Oepfelbaum
Dä kriegt scho gäli Bledder,
Un lueg der Wald a, het er
Nit scho ne rothe Fluum am Saum?

Im wiise liichte Stroßestaub
Sin Chistenebuschle gsteuet
- Es isch erst usgängs Heuet -
Doch wenn De gohsch, se wattsch im Laub.

Wie glüehn so bluetig füürzündroth
Am Schopf die wilde Rebe!
- My arm verlore Lebe -
Dy silberhaitere Summer goht!

Es mahnt mi grad im Buechehag
Sy Grüen schwindsüchtig rötlig –
Der Spötlig chunnt, Dy Spötlig!
Scho vor em längste Dag!



Hermann Burte: Letzte Bitte

Ihr Kamerade, wenn I stirb,
So bettet mer im Laim,
Un wenn I schließlig au verdirb -
I bitt ych: Nüt as haim!
Was wännt der pflanze uf my Grab?
Stächpalme willi ha,
Die Blätter immer grüen un blank,
Die stöhn mir prächtig aa.

So Beeri roth im dunkle Laub
Sin stari Tropfe Bluet,
I ha mi selber all verletzt -
Weiß Aine, wie das dhuet?
I ha mi scharf gmacht, numme z'scharf,
Do hets halt Scharte geh!
Verstöhndter jez, wieso n I darf
Dä Baum zuem Sinnbild neh?

Im Winter, wenn's e Chälti git,
Göhn waichi Blätter z'Grund,
Stächpalme aber tschuuderets nit,
Sie stöhnde chäch un gsund -
Es fallt uf mi so chalt wie Schnee
Ne hässige Vergunscht,
Doch ständig würd me läbig seh
My Wäse un my Chunscht.

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die zwei obenstehenden Gedichte sind folgendem Buch entnommen:
Madlee : Alemannische Gedichte / Hermann Burte. Mit einem Geleitwort von Georg Thürer. - Unveränd. Neuaufl.. - Binzen : Resin-Verlag, 1993.
ISBN 3-923066-37-6

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Hermann Burte: Volkers Antwort (1941/42):

Wenn ahnungslose Menschen fragen:
Warum habt Ihr den Mann erschlagen?
So werden wir Burgunden sagen:
Er war uns weder leid noch lieb,
allein er war ein großer Dieb.
Er stahl den Riesen ihren Hort,
er nahm des Zwergen Mütze fort,
er brach dem König Eid und Wort,
war in der Hornhaut unverwundbar,
geheimer Vogelsprache kundbar,
im hellen Sonnenlicht unsichtbar,
mit Wehr und Waffenkraft unrichtbar –
Sagt selbst, ob einen solchen Mann
Ein Menschenvolk ertragen kann:
Den Überstarken, Überreichen,
den halben Gott als Seinesgleichen?
Und also wurde er erschlagen!
Fragt, was Ihr wollt! – Wir stehn zu Hagen!


Bilder von Hermann Burte

Vieles mehr über Hermann Burte finden Sie in Harald Noths Brief aus Alemannien.