Badische Revolution 1848/1849

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"Wenn die Roten fragen / Lebt der Hecker noch? / Sollt ihr ihnen sagen / Ja, er lebet noch /Er hängt an keinem Baume / Er hängt an keinem Strick / Sondern an dem Traume / Der roten Republik." So heißt es in der letzten Strophe des Heckerliedes, welche das Schicksal der badischen Freischärler, die 1848/49 für eine deutsche Republik kämpften, widerspiegelt. Unbeirrbar hatten Tausende für die Losung "Es lebe die soziale Republik" gekämpft und am Ende weit weniger erreicht, als sie sich erträumt hatten. Unweigerlich ist diese Tatsache das Wesen aller revolutionären Erhebungen. Revolutionen beziehen ihren Rang nicht nur von ihren Erfolgen, sondern vor allem von den neuen Impulsen und Entwicklungen, deren Ausdruck sie sind.
Friedrich Hecker und Gustav von Struve zum Beispiel, deren Namen, durch ihre folgenreichen Taten und Worte in der Zeit der badische Revolution, wohl unsterblich geworden sind, waren zwei Menschen, die neue Impulse setzten. Sie gehörten dem radikalen Flügel der deutschen Revolution an.
Das badische Gebiet galt seit langem aus den verschiedensten Gründen, und nicht zuletzt wegen seiner Nachbarschaft zu Frankreich und der Schweiz, als das "liberale Musterland" Deutschlands, in dem Freiheit und Volksrechte keine Fremdwörter darstellten. Bereits 1818 hatte der Großherzog von Baden als einer der ersten Herrscher im Deutschen Bund seinem Land eine Verfassung gewährt. Weit darüber hinaus greifende Forderungen äußerten im Jahr 1847 Hecker und Struve auf einer Volksversammlung in Offenburg. Sie riefen nach Verfassungsänderungen, die selbst von bürgerlicher Seite, welche Änderungen im Grunde positiv gegenüber stand, teilweise abgelehnt wurden. An der Spitze der Forderungen stand die uneingeschränkte Presse-, Gewissens- und Lehrfreiheit einschließlich der persönlichen Freiheiten. Das so genannte "Offenburger Programm" begehrte ferner eine volkstümliche Heeresreform, die vorsah, das Militär nicht mehr auf den Großherzog, sondern auf die Verfassung zu vereidigen. Weitere Appelle bezogen sich auf die Einrichtung von Geschworenengerichten, eine sozial-gerechte Besteuerung, einen Umbau der Staatsverwaltung und die Beseitigung aller Bevorzugungen des Adels. Diesen an den Wurzeln der Monarchie nagenden Forderungen setzten die gemäßigten Revolutionäre einen kompromißlerischen Katalog entgegen. Weder die Konzepte der Gemäßigten, noch jene der Revolutionäre um Struve und Hecker wurden verwirklicht. Allerdings machten die verschiedenen Konzepte bereits vor Ausbruch der 48er-Revolution die Fronten innerhalb der liberalen Parteiungen deutlich.
Als die politischen Verhältnisse in Europa durch die Pariser Revolution im Februar 1848, die zum Sturz der französischen Regierung führte, zu wanken begannen, war auch die Zeit des Volksaufstandes in Deutschland gekommen. Die Bereitschaft dazu war im Südwesten Deutschland am größten und bereits in den ersten Märztagen wurde Süddeutschland von Massenunruhen erschüttert, die eindeutig von republikanischer Natur waren. Das Zentrum der Erhebungen war Baden, von wo sich baldigst politische Impulse nach Norden und Nordosten ausbreiteten. Auch Wien erreichten die politischen Erdstöße aus dem Epizentrum des revolutionären Geistes. Über einer Massenversammlung in Mannheim stand das Motto: "Der Tag der Freiheit ist angebrochen. Vorwärts! ist der Ruf der Zeit. Die Not des Volkes muß ein Ende nehmen."
Aber eine Revolution im wahrsten Sinne bildete sich nicht, trotz Aufständen an vielen Orten. Die Bewegung war ein Wust verschiedenster Grüppchen, ihr fehlte eine klare Richtung. Die Fürsten beschlossen zwar, sich auf bestimmte Neugestaltungen zu verständigen, aber allerdings auch mit militärischen Mitteln alle zur Aufrechterhaltung der gesetzlichen Ordnung und inneren Ruhe in den Bundesstaaten erforderlichen Maßregeln anzuwenden und durchzusetzen. Führende Sprecher der Aufständischen, darunter auch Hecker und Struve, versammelten sich daraufhin in Heidelberg, um endlich alle revolutionären Strömungen auf einen Nenner zu bringen. Wortführend waren auch hier die süddeutschen Aufständischen. Die radikalen Sprecher Hecker und Struve stießen jedoch auf keine mehrheitliche Zustimmung, so dass die Heidelberger Tagung mit dem Beschluß endete, mit den Herrschern zusammenzuarbeiten. So war das Beratschlagen in Heidelberg auch die Stunde des endgültigen Bruches zwischen den radikalen Kämpfern der 48er-Revolution und der bürgerlich-liberalen Mehrheit. Letztere bemühte sich nunmehr, nicht gegen, sondern in Zusammenarbeit mit den Fürsten zumindest einen Teil ihrer Forderungen zu verwirklichen. Badische Bauern entschlossen sich in diesen Tagen mit gewaltsamen Aktionen gegen die Obrigkeit ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Forderungen, die da unter anderem waren: Verzicht der Grundherren auf bestimmte Privilegien wie Jagd- und Fischereirechte, auf sämtliche Feudallasten und auf den Zehnten. Weigerte sich der Adel, wurden Schlösser erstürmt, Ämter zerstört und Staatsdiener bedrängt. Der Bauernkrieg wäre wieder entbrannt, raunte es durch Baden. Nicht nur nach Meinung der Herrscher schossen die Bauern mit ihren Wünschen übers Ziel. So griff die badische Regierung zu militärischen Mitteln gegen die Bauern und forderte überdies die militärische Unterstützung bayerischer, hessischer und württembergischer Truppen an. Diese Intervention verursachte eine derartige Empörung bei den badischen Radikalen, so daß sie der badischen Regierung ein Ultimatum stellten: "Republik oder Monarchie?" Mitte April rief Hecker in Konstanz zur Volkserhebung auf. Niemand war damals im Volke so bekannt und populär wie Friedrich Hecker und so begeisterte er mit seinem Aufruf große Teile des Volkes. Hecker schaffte es in den folgenden Tagen fast 5000 Mann um sich zu scharen, mit denen er Ende April nördlich von Kandern im Schwarzwald gegen reguläre und bei weitem überlegene Truppen antrat. Sein Heer wurde zersprengt und er rettete sich mit Struve über die Schweizer Grenze, wonach er resignierte und nach Nordamerika auswanderte. Struve allerdings war nicht gewillt, den Traum von der sozialen Republik aufzugeben und bereitete in der Schweiz die zweite Phase der badischen Revolution vor. Sodann brach er im Herbst des Jahres 1848 mit einer kleinen Kampftruppe über die Grenze und proklamierte Ende September im Schwarzwälder Lörrach die deutsche Republik. Danach versuchte er mit seiner bisweilen auf 10000 Mann angewachsen Truppe nach Freiburg zu gelangen, was ihm allerdings nicht gelang. Struve wurde von regulären Truppen habhaft gemacht und zu fünfjähriger Haft verurteilt.
Sowohl die erste Erhebung, angefacht durch Hecker, als auch die zweite Erhebung mit Struve als Anführer, mißglückte. In der Mitte des Jahres 1849 kam es zur dritten und stärksten Erhebung, die einen eindrucksvollen Kontrast zur Handlungscheu der Abgeordneten in der Frankfurter Paulskirche darstellte. Ein Großteil sämtlicher badischer Truppen schloss sich dem Aufstand an. Am 13. Mai erfolgte die Ausrufung der deutschen Republik, was eine Flucht des Großherzogs Leopold zur Folge hatte. Im sicheren Frankfurt rief dieser preußische Truppen zur Hilfe. Letztere besiegten mit starkem Truppeneinsatz das badische Volksheer. Im Juli 1849 musste sich Rastatt, letzte Bastion der Volksbewegung, den preußischen Truppen ergeben. Die Revolution war endgültig gescheitert. Viele Tausende, die am Traum der sozialen Republik bis zuletzt hangen, erwartete das Standgericht, der Prozess oder die erzwungene Auswanderung.
Friedrich Hecker berichtete später über sein Unternehmen: "Wir zogen aus mit dem Banner der deutschen Republik; wir wollten vertilgen die despotischen Reste des Mittelalters und gründen den freien Volksstaat."
Hut, Jacke und Gürtel der Symbolfigur der badischen Revolution können im Wehrgeschichtlichen Museum in Rastatt betrachtet werden.

weiterführend:

Bender: Die Badische Revolution 1848 - 1849 : Überschwang u. Begeisterung, weltfremder Idealismus u. kühnes Wagen, Waldkirch 1981.

Holeczek: Rastatt in der Badischen Revolution : 1849 - Freiheitsbewegung in Rastatt, Rastatt 1996.

Rügert: "... es gilt in Baden loszuschlagen" : Friedrich Hecker und die badische Revolution, Konstanz 1998.

Die Revolution in Baden 1848/49, Landesverein Badische Heimat, Freiburg, 1997. (S. 330 - 568)









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