Eine kleine Reise durch Nordsch...

Eine kleine Reise durch Nordschwarzwälder Täler

Nahe der Teufelsmühle hat die Alb ihren Ursprung. Vorbei an den Teufelskammergrotten stürzt der Bach herab bis Bad Herrenalb und wird hier zu dem, was er, bis er in den Rhein mündet, bleibt – ein ruhiger und beschaulicher Bach, der außer zwei größeren Zuflüssen keine nennenswerte Bereicherung erfährt. Das Albtal ist in Folge dessen nirgendwo steil oder gewaltig, sondern zeigt sich in einer Gemächlichkeit, die schon vor der Zeitenwende zur Besiedlung einlud. So siedelten auf den Hochflächen des Tales keltische Stämme, später bildeten sich auch römische Siedlungen.
Die erste an der Alb gelegene Ortschaft befindet sich in etwa 10 km Entfernung von der Quelle des Flusses: Kurort Bad Herrenalb, bekannt für die Zisterzienserabtei Herrenalb. Graf Berthold von Eberstein errichtete diese ab 1149. 1642, im Zuge des dreißigjährigen Krieges, wurde das Kloster von den Schweden zerstört.
Einige Kilometer das Tal hinab entstand das weibliche Äquivalent zum Mönchskloster Herrenalb. Im 12. Jahrhundert gründete sich an dieser Stelle, wo das nördlichste Tal des Schwarzwaldes am sehenswertesten ist, das Kloster Frauenalb. 1803 wurde das Nonnenkloster aufgelöst und ein Brand zerstörte einige Jahre später die schöne Kirche, die Peter Thumb im Barockstil für das Frauenkloster entworfen hatte.
Weiter talabwärts stößt das Tal bei der Einmündung des, für die Forellenzucht bekannten, Maisenbaches auf die Ortschaft Marxzell. Nach Marxzell nimmt das nördlichste Tal des Schwarzwaldes merklich breitere Züge an, die Industriebestriebe nehmen zu und, wo die Berge vollends zurückweichen, hat sich die einstige Amtsstadt Ettlingen gegründet. Bekannt wurde das Städtchen durch das Hotel Erbprinz und die dort vollzogenen Dreisternetreffen zwischen Frankfurt und Basel. Von Ettlingen kann das Albtal auf einem etwa 16 Kilometer langen Waldweg bis nach Bad Herrenalb erwandert werden und somit die Naturschutzbedingte Stille genossen werden. Nach Ettlingen entzieht sich die mittlerweile strömender gewordene Alb ihrem Bezugsort, dem Schwarzwald um letztendlich dem Rhein als Zufluß zu dienen.


Alb

Beträchtlich entgegengesetzt zum sanften Gepräge des Albtales zeigt sich das Enztal. Die Große Enz und die Kleine Enz fließen zunächst in engen Tälern, beidseits von hohen, bewaldeten Bergen gesäumt, in Richtung Norden. Der obere gebirgige Teil der Täler vermittelt den Eindruck von Schluchten. Die Enztäler sind gleichsam herrisch, von überraschender Vielfalt, sie sind steil und unbändig, gewaltig und schmal. Eben gerade so, wie die Romantik einst Schwarzwaldtäler beschrieben hatte. Erst ab der Gegend von Wildbad werden die „Enzen“ etwas gemächlicher und ihre Täler lassen hier und da auch mal Wiesen an den Ufern zu. Die Täler werden schließlich weiter und breiter. In Calmbach fließen Große Enz und Kleine Enz zusammen. Allgegenwärtig ist der Drang des Flusses, möglichst schnell nach Pforzheim zu gelangen. In der Goldstadt vereinigt sich die Enz mit der Nagold. Ganz im Gegensatz zum Tal der Nagold oder der Alb hat das enge und steile Enztal nicht den Schmuck alter Anrainer wie Klöster oder Burgen vorzuweisen. Neben Wildbad, dessen Erscheinungsbild stark von der hier noch schluchtartig verlaufenden Enz geprägt ist, findet man Streusiedlungen, wie Enzklöstere im 600 m oberen Tal der Enz. Der Name der Ortschaft Enzklösterle leitet sich von einem ehemaligen kleinen Kloster ab, dessen letzter Rest, eine Kapelle, im 18. Jahrhundert verschwand. Ein weiterer Anrainer der Enz ist Württembergs höchstgelegenes Dorf Besenfeld, in dessen Nähe sich die Wasserscheide zwischen den Flüssen Murg und Nagold befindet.


Altes Enzufer

In jener Gegend liegt auch die Quelle der Nagold. Das durch sie gebildete Tal zeichnet sich durch eine große Lebhaftigkeit und einen großen Abwechslungsreichtum aus. Holzindustrie, Tuchindustrie und zahlreiche kleinere und größere Kurorte machten das Nordschwarzwaldtal frühzeitig weit über seine Grenzen hinaus bekannt, dessen Vorzüge wohl auch schon den Kelten bewusst war, denen das Tal seinen Namen zu verdanken hat. Quellabwärts trifft die Nagold auf das Städtchen Altensteig, in dem die Grafen von Hohenberg im 13. Jahrhundert ein Schloß errichteten, dessen Turm zu besteigen, ob der guten Aussicht und des Überblickes über die urtümlich anmutende Ortschaft wegen, lohnenswert ist. Etwas weiter flussabwärts findet man die Ortschaft Berneck, mit seinem vor etwa 190 Jahren erbautem Schloß. Berneck ist heute ein bei Touristen beliebter Ort; nicht zuletzt der alten Grabmäler und des Tabernakels aus dem 15 Jahrhundert in der Stadtkirche wegen. Nach Berneck weicht die Nagold den nördlich gelegen Höhenzügen südöstlich aus und schlängelt sich entlang vieler malerischer Orte bis zur gleichnamigen Stadt Nagold, um dort durch eine nordwestliche Richtungsänderung wieder Kurs auf ihr Ziel Pforzheim zu nehmen. Kurz bevor der Fluß Calw erreicht, passiert er eine Besonderheit kunsthistorischer Art in Kentheim: Eine Kapelle aus dem 12. Jahrhundert, dessen prächtigen Wandmalereien erst im 19. Jahrhundert wieder entdeckt wurden.
Die Nagold ermöglichte der Stadt Calw, die einst bedeutendste Handelsstadt Baden-Württembergs zu werden. Der Motor der Industrialisierung in der Hermann Hesse-Stadt startete bereits nach dem dreißigjährigen Krieg mit dem Textilgewerbe, das ohne Wasser nicht hätte funktionieren können.
Durch Hirsau und Bad Liebenzell hindurch erreicht die Nagold Pforzheim, zieht hier noch einmal, als Abschied vom Schwarzwald, eine große Schlinge und umarmt auf diese Weise den alten Ort, dessen Burgen Rabeneck und Kräheneck wachend über Endpunkt bzw. Anfangspunkt des Nagoldtales stehen.


Nagold

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