Theologe & Autor O. Ritter

Oliver Ritter wird am 18. März bei Stuttgart einen Vortrag geben. Näheres dazu erfahren Sie bei Kulturwerk Neckar-Alb. Ein von Kulturwerk Neckar-Alb geführtes Gespräch mit Herrn Ritter lesen Sie im Folgenden.


KWNA: Was hat Sie bewogen, Bücher über die Rollenverteilung von Mann und Frau zu schreiben? Gibt es nicht schon genug Literatur über dieses Thema?

O.R.: Allerdings, mehr als genug. Aber ich schreibe nicht über "Rollenverteilung".
Das ist ja gerade die Misere, daß Mann- und Frausein heute als Rolle
verstanden wird, als etwas Künstliches, Zugelegtes, das man denn auch
beliebig modifizieren, stylen und stutzen kann, je nach Saison, so daß beim
Mann z.B. der "Macho", der "Softie" oder der "bewegte Mann" favorisiert
wird. Für mich ist das Frevel, ein äußerst leichtfertiger Umgang mit Gottes
Schöpfung. Und man sieht ja, was dabei herauskommt: Männer wie Frauen sind
völlig verwirrt und ihre Beziehungen dementsprechend chaotisch. Wir sollten
uns wieder auf eine ganz einfach Wahrheit besinnen: Ein Mann ist ein Mann
und eine Frau ist eine Frau. Und beide haben bestimmte Wege, durch die sie
sich selbst erfüllen können. Diese Wege sind leider weitgehend in
Vergessenheit geraten, deshalb habe ich "Magische Männlichkeit" und
"Mysterium Weib" geschrieben. Und es geht ja um noch viel mehr.
Selbstverwirklichung ist die Voraussetzung einer gesunden
Geschlechterbeziehung. Die ist Voraussetzung einer gesunden Familie und
wohlgeratener Kinder. Menschen, die mit sich selbst in Einklang sind, sind
die Voraussetzung einer gesunden Gesellschaft und einer heilen Erde. Sie
sehen, wie wichtig es ist, über Mann und Frau zu schreiben.


KWNA: Wie waren die Resonanzen der Leser der Bücher "Magische Männlichkeit" und "Mysterium Weib"?
O.R.: Wenn ich auf meine Fanpost schaue, sehr positiv. Und zwar gerade von Seiten
der Frauen. Es schreiben mir Frauen zwischen 20 und 80 und alle sind
begeistert, weil sie spüren, daß sich etwas verändern muß. Natürlich wird es
auch Frauen geben, die die Dinge anders sehen. Aber die schreiben mir nicht,
vielleicht weil sie merken, daß ich nicht zu belehren bin.


KWNA: Ist Ihrer Meinung nach die ideale Familienkonstellation die seit Jahrhunderten praktizierte Vater(arbeitet)-Mutter (ist daheim)-Kind-Konstellation?
NEIN! Diese Konstellation ist ein typisches Produkt des industriellen
Zeitalters - wenn Sie unter "Arbeit", wie ich vermute, eine fremdbestimmte,
auswärtige Arbeit verstehen. Diese Art Arbeit, eben der lustlose
8-Stunden-Tag mit seinen stupiden Verrichtungen in Büros und Werkhallen
wurde zum Totengräber des Mannes. Millionen Männer meistern sie bis heute
mit einem erstaunlichen Heroismus. "Zähne zusammenbeißen und durchhalten".
Sie verhärten sich, werden zum Roboter, und abends kommen sie mißmutig und
abgekämpft nach Hause und verwandeln sich in ein zeitungsraschelndes Etwas.
Solche Männer können weder ihrer Frau noch Ihrer Familie Kraft geben, sie
sind am Ende! Die Situation hat denn auch zu einer gewaltigen Dominanz der
Frauen im familiären Bereich geführt, bis dahin, daß sie ihre Kinder gegen
den "unerträglichen" Vater ausspielen. Insofern kann man es fast begrüßen,
daß die meisten Frauen heute ganz gerne die Härte des Berufslebens auf sich
nehmen. Das entlastet den Mann ein wenig - wenn er nicht so dumm ist, daß er
ebenfalls arbeitet. Es gibt aber bessere Lösungen als daß sich einer
ruiniert oder beide halb ruinieren (Arbeitsteilung). Ich werde in meinem
Vortrag darauf zu sprechen kommen.


KWNA: Was kann man dann tun, um Frauen nicht zu diskriminieren, die aufgrund ihrer Lebensumstände gezwungen sind, arbeiten zu gehen und "ihren Mann" zu stehen?


Diskriminiert jemand diese Frauen? - Doch höchstens die "Ewiggestrigen". Ich
persönlich achte das Selbstbestimmungsrecht eines jeden Einzelnen und wenn
eine Frau "gezwungen" ist, also gegen ihren Willen eine bestimmte Arbeit
verrichten muß, kann man eigentlich nur Mitgefühl haben. Aber wie ich schon
sagte: Es gibt für jedes Problem eine Lösung. Niemand ist verurteilt, ein
Leben in Fremdbestimmung zu führen! Das ist dasCredo meiner Arbeit als
Lebensberater.


KWNA: Was würden Sie unseren männlichen und weiblichen Lesern, in je einem Satz formuliert, mit auf den Weg geben wollen?
Beiden das Gleiche: "Sei du selbst!"


KWNA: Wir danken Ihnen für das Gespräch.


Oldenburg, 23. Januar 2008


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