Langobardische "Sonne"

Langobardische "Sonne"



Nachschaffung einer teilzerstörten langobardischen Reliefplatte, vermutlich 8. Jahrhundert. Ihre Bruchstücke sind in die Außenwand der Kirche von GAZZO VERONESE (Verona) eingemauert.

Eindrucksvoll zeigt das Relief die sonnenhaft-kosmische Ausrichtung der langobardischen Religiosität. Drei konzentrische Kreise in der Bildmitte formen das Zentralgestirn, den Urquell allen Lebens. Mit unbändiger Kraft schießen hieraus – wie Protuberanzen – die Sonnenpfeile. Sie sind an ihren Enden umgebildet zu „IRMINSUL“-Motiven, dem germanischen Sinnbild des göttlichen Lebensbaumes. Es ist geradezu spürbar, wie sich hier die Strahlkraft der Sonnenenergetik in das Entstehen von Leben umwandelt. Man könnte es also als eine bild- und symbolhaft hoch verdichtete Form des Schöpfungsmythos bezeichnen.

Das ganze Geschehen ist eindeutig einem göttlichen Plan und Impuls, also einem göttlichen Schöpfer zugeordnet. So befindet sich im innersten Kern der Sonne die „HAG-ALL“-Rune, die erhabenste und mächtigste aller Runen, die „All-Umfassende“, die „All-Umhegende“.
Im Kern steht somit kein ornamentales Bildgeschehen mehr; vielmehr wird in einer Art Dimensionserhöhung ein Abstraktum in Form der Rune gesetzt. Ein göttlicher „Code“ entzündet und formt gewissermaßen das naturgesetzliche Geschehen.

Man kann nicht umhin, Ehrfurcht vor dem langobardischen Bildmeister zu empfinden, der dieses Motiv geschaffen hat. Mit wenigen, einfachen und klaren Bildmitteln lässt er den Betrachter unmittelbar die Kraft, die Dynamik und Göttlichkeit der Weltschöpfung erspüren.
Die Entschlüsselung der Bildteile zeigt einen Erleuchtungsgrad, der die Fehde zwischen Gottglauben und Naturwissenschaft auflöst und auch die modernsten naturwissenschaftlichen Erkenntnisse mühelos einbezieht.
So wie sich dem analytischen Naturforscherblick heute jegliche materielle Substanz in letzter Stufe als reine Energie aufzeigt, sich die Lebensprozesse letztlich in einen definierten Code von Schwingungen und „Information“ transformieren, so hat es der Langobarde dargestellt:
Im Kern, am Anfang, steht der „Code“, das „göttliche Wort“. Es verdichtet in Dimensionswechsel Energie zu Materie, zur zentralen Sonne. Deren Strahlung, Schwingung, zeugt Leben in vielfältiger Form. Selbst diese letztere Aussage ist in dem Bildmotiv enthalten, wenn man die Variationen der Sonnenstrahlen/Lebensbäume betrachtet.



( Werner Neumann )


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