Langobardischer "Erzengel"

Langobardischer „Erzengel“



Nachschaffung einer langobardischen Reliefplatte aus dem 8. Jahrhundert. Fundort: Kirche San Pietro in GROPINA, oberes Arno-Tal. Die Kirche steht auf einer alten Kultstätte an der Flanke des Berges „Pratomagno“, wo sich in früheren Zeiten ein Diana-Tempel befand und nachfolgend ein langobardisches Heiligtum.

Das Bildmotiv zeigt eine wunderbar harmonische Verschmelzung von altem, odinischem Glauben mit dem neu aufscheinenden arianischen Kristglauben der Langobarden.
Im Mittelpunkt steht ein hohes Engelwesen, das all-umfassend, bergend und segnend die Arme ausbreitet.
Vermutlich ist es „Erzengel“ Michael, der langobardische - und später pan-germanische Schutzpatron und Odinsnachfolger (daher auch: “deutscher Michel“). Hinweis hierfür geben die beiden Drachen, die sich an das obere Flügelpaar anhaften.

In späteren christlichen Darstellungen wird Michael zumeist als Drachenbezwinger bzw. Drachentöter dargestellt – wobei der Drache synonym für den alten Glauben steht. Bemerkenswert hier im Motiv ist die selbstverständliche und harmonisch ergänzende Einfügung der Drachen in das Zentralgeschehen. (Ganz im Gegensatz zu mittelalterlichen Darstellungen, wo Michael den Drachen mit der Lanze niederringt.)

Das untere Flügelpaar überspannt, gleichsam bergend und schützend, weitere Reminiszenzen an den Altglauben: vom Betrachter rechts das Bildnis der IRMINSUL, des germanischen Gottes- und Lebensbaumes. Links, in Blütenform, das energetische Achterrad, das Rad des Glückes und der Kraft, bekannt und verwendet als heiliges Symbol seit dem Megalithikum.
Über dem Kopf des Engels, gewissermaßen als Scheitel-Chakra, steht – wiederum in Blütenform – das kosmische „Richtkreuz“, das Maß für Raum und Zeit. Senkrecht darüber, am oberen Motivrand über den Flügelspitzen, befindet sich das „Ewigkeits-Wendel“, das Symbol für „Einrollen – Ausrollen“, für „Werden und Vergehen“, also für das Stirb und Werde und der Inkarnationsfolge.

Die vier inneren, ineinander verschränkten Flügel, zeigen ein SONNENRAD, das je nach Lichteinfall links- oder rechtsdrehend scheint: also eine sozusagen ganzheitliche Swastika, die die polare Qualität des menschlichen Seins darstellt. Es ist links- wie rechtsdrehend, positiv wie negativ, männlich und weiblich, Yin und Yang .



( Werner Neumann )


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