Gründer des "AK Geomantie" A. Haller

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Andreas Haller aus Neuenbürg beschäftigt sich seit einigen Jahren mit Geomantie. Im Laufe des Jahres 2004 gründete er in Neuenbürg einen „Arbeitskreis Geomantie“. Mehrere geomantisch interessierte Personen aus dem Nordschwarzwald und dem südlichen Kraichgau kommen in diesem zusammen, um von Zeit zu Zeit mit Exkursionen zu geomantisch interessanten Orten die eigene Region besser kennen zu lernen. Die Geomantie-Gruppe startete mit Exkursionen nach Neuenbürg (St. Georgskirche), nach Obergrombach (Michaelsberg) und Bad Herrenalb (Mauzenstein). Am 21. Juni diesen Jahres (2005) feierte die Gruppe, die mittlerweile ca. zehn Mitglieder und über zwanzig Interessenten zählt, nach einer Wahrnehmungsübung am Volzemer Stein bei Dobel die Sommersonnenwende mit Feuer und Musik mitten im Wald. Weitere Aktivitäten waren eine Feenwanderung beim Kloster Maulbronn am 15. August sowie eine Exkursion zum „größten neuzeitlichen Steinkreis“ bei Schömberg am 23. September. (Informationen zum Steinkreis finden Sie im Gespräch mit Werner Neumann).
Bei Interesse an direktem Kontakt mit dem „AK Geomantie“ bzw. mit Herrn Haller, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.



KWNSW: Sehr geehrter Herr Haller, stellen Sie sich bitte kurz vor!

Ich bin 1964 in Oberfranken geboren und habe mich Zeit meines Lebens gerne in der Natur aufgehalten. Zurzeit arbeite ich in Neuenbürg im Oberen Enztal und bin dort für das Schloss- und Stadtmarketing zuständig. Privat beschäftige ich mich schon seit einigen Jahren mit geomantischen Phänomenen und ihren Auswirkungen auf den Menschen.



KWNSW: Sie haben den „Arbeitskreis Geomantie“ gegründet. Was war der Anlass?

Anlass war meine aktuelle berufliche Situation. Ich habe für die Stadt Neuenbürg im letzten Jahr ein Stadtmarketing-Gutachten erstellt und darin vorgeschlagen, auch die Geomantie heranzuziehen, wenn es darum geht, diesen Ort wieder „in Fluss zu bringen“. Das kann die Geomantie nämlich viel besser und auch viel nachhaltiger als jedes andere mir bekannte Stadtmarketing-Instrument. Der nächste Schritt war für mich der, für eine gewisse regionale Vernetzung der geomantisch interessierten Menschen zu sorgen, so wie es das „Lebensnetz Geomantie e.V.“ für den gesamten deutschsprachigen Raum anstrebt. Unter den Geomanten gibt es viele Einzelkönner. Aber bestimmte Energien werden erst durch das gemeinsame und gemeinschaftliche Handeln freigesetzt. Mit dem Arbeitskreis Geomantie geht es mir – neben dem Austausch mit den anderen – darum, dass wir unser Bewusstsein für den Natur- und Kulturraum, in dem wir leben, wachsen lassen. Besondere Ziele und konkrete Zwecke verfolge ich mit dem Arbeitskreis nicht: Er entwickelt sich, wohin auch immer.



KWNSW: Geomantie ist kein alltäglicher Begriff. Viele können nichts damit anfangen.
Wie erklären Sie den Begriff und die dazugehörigen Aspekte?

Die Geomantie untersucht „Ortsqualitäten“ und die Auswirkung des Untergrundes auf die Lebewesen. Geomanten versuchen durch landschaftstherapeutische Maßnahmen (z.B: Steinsetzungen) die von der menschlichen Zivilisation beschädigten Naturräume wieder herzustellen, zu „heilen“. Dabei beginnt die Geomantie zuweilen mit dem, was man früher als „Heimatforschung“ bezeichnet hat, mit der Erforschung der Vergangenheit eines Ortes. Neben der Faktenrecherche tritt aber dann noch mindestens eine weitere Ebene, nämlich die Untersuchung der „feinstofflichen“ Ortsqualität, die nur über das Instrument der Meditation und des Erspürens von unterschiedlichen Symptomen (mental, emotional oder sensual) gewonnen werden können. Auf diese Weise entsteht ein komplexes, d.h. mehrschichtiges Orts-Psychogramm, das dann die Grundlage einer Heilungsmaßnahme sein kann.
Die moderne Geomantie ist ein Sammelbegriff, der unterschiedliche und dabei verwandte Disziplinen wie die chinesische Geomantie (Feng Shui), die Radiästhesie (Wünschelrute und Pendel) oder auch schamanisch orientierte Heil- und Ritualverfahren umfasst bzw. umfassen kann.



KWNSW: Was ist Ihrer Meinung nach der Grund dafür, dass Geomantie mehr oder weniger als Grenzwissenschaft angesehen wird? Warum führt die Geomantie ein
Schattendasein?

Viele Menschen setzen die Geomantie mit Okkultismus gleich. Das ist natürlich Unsinn, aber auch Grund für die Haltung vieler, die von der Geomantie erst einmal nichts wissen möchten. Für andere wiederum ist Geomantie eine Wissenschaft. Das ist zumindest problematisch, weil die Naturwissenschaft immer noch das eherne Gesetz verteidigt, dass ein Untersuchungsergebnis nur dann gültig ist, wenn dieses immer wieder entsteht, und zwar unabhängig von der Person des Untersuchenden. Genau dies ist jedoch der Knackpunkt. Genau hier grenzt sich die Geomantie von der herkömmlichen „Schulwissenschaft“ ab. Geomanten bewegen sich in einem interdisziplinären Wissensfeld und sind dabei wahre Wahrnehmungskünstler. Und somit ist klar, dass geomantische Untersuchungsergebnisse ganz einfach deshalb stark voneinander abweichen können, weil die Geomantie ganz bewusst die Person des Untersuchenden in seiner Ganzheit mit berücksichtigt. Jeder Mensch geht zu anderen Symptomen und Erscheinungen in Resonanz, reagiert anders, spürt und fühlt anders und kann deshalb in seiner Ortswahrnehmung auch zu anderen Ergebnissen kommen. Die Geomantie betont das Diverse, das Einzigartige im Menschen und sieht in Abweichungen keine Widersprüche sondern Bereicherungen für die eigene Erfahrungs- und Wahrnehmungswelt. Der Geomant ist nicht nur Wissenschaftler, er ist in gleichem Maße auch ein Künstler.



KWNSW: Ist Geomantie eine neuzeitliche Erscheinung

Die Geomantie ist sehr alte Disziplin. Nur haben wir über die Jahrhunderte vieles von dem vergessen, was die Menschen früher gewusst oder auch intuitiv richtig gemacht haben. Eine Prämisse der Geomantie ist die, dass jeder Mensch ein gigantischer Informationsspeicher ist. Letztlich wissen wir viel mehr, als wir uns bewusst machen. Die Geomantie – aber nicht nur die – bietet uns Methoden an, wie wir dieses alte Wissen abrufen können. Wer sich der Geomantie verschreibt, befindet sich auf einmal inmitten eines spannenden Bewusstseinsprozesses!
In der Baukunst lässt sich sehr gut ablesen, zu welchem Zeitpunkt eine Kultur ihre Häuser und Kultstätten nach geomantischen Prinzipien erbaut hat. „Geomantie“ kannten beispielsweise die Kelten als Begriff ganz sicher nicht. Aber sehr vieles von dem, was wir heute beginnen uns wieder mühselig anzueignen, wurde mit Sicherheit schon vor 3.000 Jahren selbstverständlich praktiziert. In China haben wir mit der chinesischen Geomantie, dem Feng Shui, den Sonderfall, dass sich das Wissen über die Jahrhunderte überliefert hat. Aber auch das moderne Feng Shui ist mit dem der Tang- und Song-Dynastie nicht vergleichbar.



KWNSW: Eines der Anliegen der Geomantie ist die Heilung von Landschaften. Wie darf man sich den Vorgang einer Heilung vorstellen? Von was muss eine Landschaft geheilt werden?

Schon ein einziger positiver Gedanke kann heilend wirken. Viele große Weisheitslehrer haben darauf hingewiesen. Wir Menschen müssen unseren Frieden finden und lernen, in unserer Mitte zu sein und aus ihr heraus mit Liebe zu handeln. Das ergibt dann die notwendige Lebenshaltung, aus der heraus Heilung geschehen kann. Dies gilt natürlich genauso für geomantische Landschaftsheilungen. Ein gut ausgebildeter Geomant spürt sofort, wenn ein Landschaftsraum „gestört“ ist und eventuell einen Heilungsimpuls benötigt. Doch fast immer zeigt sich: Je dichter ein Raum von uns Menschen der industriellen Hemisphäre besiedelt ist, desto stärker ist der Naturraum durch Überbauung und sonstige Landschaftsnutzungen geschädigt. Fast immer hat die Kulturgeschichte dazu geführt, dass bestimmte Ortsqualitäten (und meistens sind es die weiblichen Qualitäten) unterdrückt und deaktiviert worden sind. Geomantische Heilverfahren können gemeinsame Rituale an bestimmten Orten sein (z.B: Feuerkreise), Steinsetzungen an bestimmten Punkten (Lithopunktur), aber auch Anpflanzungen, Meditationen, Rückbau oder Ausgleich von störenden Einflüssen unserer industriellen Zivilisation und vieles mehr.



KWNSW: Ist bestimmtes Vorwissen von Nöten, wenn man an einer ihrer Exkursionen
teilnehmen möchte?

Bereitschaft und Interesse sind die Voraussetzungen der Teilnahme. Ich möchte sogar noch weiter gehen: Unsere Exkusionen und Aktivitäten sind nicht kommerziell. Sie kosten kein Geld und sie sollen auch kein Geld einbringen. Wir schenken uns diese Anlässe, in dem jeder nach seinem Vermögen das mit einbringt, das er zu diesem Zeitpunkt und bei dieser Gelegenheit mit einbringen kann. Es gibt bei uns auch keinen Wettbewerb zwischen „Geomantie-Profis“ und interessierten „Amateuren“.



KWNSW: Möchten Sie unseren Lesern etwas mit auf den Weg geben?

Vertrauen und Bescheidenheit sind für mich absolute hilfreiche Tugenden, wenn es darum geht, die innere Stimme in mir selbst zu entdecken und ihr zu folgen. Beides versuche ich zu lernen. Dies ist zum Teil auch mit Schmerzen verbunden, denn es führt unweigerlich dazu, dass eigene, lieb gewonnene Überzeugungen über Bord geworfen werden. Dass ich dazu die Gelegenheit habe, dafür bin ich jedoch dankbar. Ich wünsche mir, möglichst vielen Menschen auf diesem Weg in kreativem Austausch zu begegnen.



Sehr geehrter Herr Haller, wir bedanken uns für das Gespräch.



Neuenbürg, den 14. Juli 2005

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